Ambilight selbstbau mit Raspberry Pi und Hyperion

hyperion ambilight

Ambilight selbst bauen – ohne Philips-TV. Mit einem Raspberry Pi, LED-Streifen und der Software Hyperion.ng lässt sich das Ambiente-Licht hinter jedem beliebigen Fernseher nachrüsten, unabhängig von der Signalquelle. In diesem Artikel zeige ich euch Material, Verkabelung und die aktuelle Hyperion.ng-Einrichtung.

Hinweis: Das ursprüngliche Hyperion (v1) wird nicht mehr aktiv entwickelt. Dieser Artikel beschreibt die Einrichtung mit Hyperion.ng (Version 2.x), dem Nachfolgeprojekt mit moderner Web-Oberfläche.

Was muss ich beachten?

  1. Die Ambilight-Umsetzung benötigt recht viel Strom (10W pro Meter LEDs + Pi)
  2. Die Rückseite des TVs sollte nicht weiter als 20cm von einer möglichst hellen Wand entfernt stehen
  3. Das Material kostet alles in allem 100–200€
  4. Am besten wirkt es im (halb) dunklen Raum – bei hellem Tageslicht lohnt der Aufwand kaum
  5. Hyperion.ng benötigt etwas Zeit für das Setup und ist kein 2-Stunden-Projekt für Anfänger

Material

Raspberry Pi

Hyperion-Hardware

Tipp LED-Auswahl: Früher wurden WS2801-LEDs verwendet (4-Draht, SPI). Heute sind SK6812 RGBW oder WS2812B RGB verbreiteter und günstiger – sie benötigen nur 3 Kabel (Daten, 5V, GND) und werden von Hyperion.ng optimal unterstützt.

Verkabelung

Netzverkabelung (Netzteil)

  1. Kaltgerätekabel am Netzteil anschließen: L=Braun, N=Blau, Erde=Grün/Gelb
  2. Netzteilspannung auf 5,00V einstellen (V-ADJ-Drehknopf), mit Multimeter prüfen

Achtung! Falsche Verkabelung am 230V-Netz ist lebensgefährlich. Wenn ihr unsicher seid, lasst das von einer Elektrofachkraft prüfen. Alternativ nutzt ein fertiges Schaltnetzteil mit Klemmen.

LED-Streifen anschließen (WS2812B/SK6812)

LED-Kabel Verbindung
5V Netzteil V+
GND Netzteil V- und Pi GND (PIN6)
Data Pi GPIO18 (PIN12) über 330Ω-Widerstand

Wichtig: GND des Netzteils und GND des Pi müssen verbunden sein (gemeinsame Masse). Den 330Ω-Widerstand in die Datenleitung setzen, um den GPIO zu schützen.

HDMI-Signalweg

Hyperion.ng installieren

Hyperion.ng läuft auf Raspberry Pi OS (Bookworm). Offizielle Installationsanleitung:

Der Installer richtet Hyperion.ng als Systemdienst ein. Web-Interface danach erreichbar unter:

Dienst-Befehle:

Hyperion.ng konfigurieren

Die gesamte Konfiguration erfolgt über das moderne Web-Interface – kein JSON mehr von Hand editieren.

LED-Hardware einrichten

Im Web-Interface: Konfiguration → LED-Hardware

  • LED-Controller: „ws281x“ für WS2812B/SK6812 (direkt über GPIO)
  • Typ: SK6812 RGBW oder WS2812B
  • Hardware-LED-Anzahl: Anzahl eurer LEDs eintragen
  • GPIO: 18 (Standard)

LED-Layout konfigurieren

Konfiguration → LED-Layout: Hier gebt ihr an wie die LEDs um den Bildschirm angeordnet sind (wie viele oben, unten, links, rechts). Der visuelle Editor macht das einfach.

Eingabequelle (Grabber) einrichten

Konfiguration → Erfassung:

  • USB-Grabber: „V4L2 Gerät“ auswählen → euren Grabber wählen
  • Bildschirm-Grabber: Für Kodi/LibreELEC direkt ohne Hardware-Grabber möglich

Farbanpassung

Konfiguration → Farbanpassung: Helligkeit, Sättigung und Gamma für jede Farbe anpassen. Hier ist etwas Experimentieren nötig – jeder LED-Streifen ist etwas anders.

Hyperion.ng mit LibreELEC / Kodi

Für LibreELEC gibt es ein eigenes Hyperion.ng-Add-on im LibreELEC-Repository. Damit entfällt der USB-Grabber – Hyperion greift direkt auf den Kodi-Videostream zu:

  1. LibreELEC → Add-ons → LibreELEC Add-ons → Services → Hyperion.ng installieren
  2. Konfiguration über das Webinterface wie oben beschrieben
  3. Als Eingabequelle „Kodi“ (intern) verwenden

Fazit und Tipps

  • LEDs nicht zu hell: 50–80% Helligkeit reicht – spart Strom und schont die Augen
  • Weicher Übergang: In Hyperion.ng den „Smoothing“-Wert auf 100–200ms setzen
  • Schwarzbalken: „Schwarzbalken-Erkennung“ aktivieren, damit die LEDs bei Kinofilmen nicht weißen Balken folgen
  • Gamma-Kalibrierung: Mit der Testfunktion Rot/Grün/Blau einzeln prüfen und ggf. Gamma anpassen

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