Ambilight selbst bauen – ohne Philips-TV. Mit einem Raspberry Pi, LED-Streifen und der Software Hyperion.ng lässt sich das Ambiente-Licht hinter jedem beliebigen Fernseher nachrüsten, unabhängig von der Signalquelle. In diesem Artikel zeige ich euch Material, Verkabelung und die aktuelle Hyperion.ng-Einrichtung.
Hinweis: Das ursprüngliche Hyperion (v1) wird nicht mehr aktiv entwickelt. Dieser Artikel beschreibt die Einrichtung mit Hyperion.ng (Version 2.x), dem Nachfolgeprojekt mit moderner Web-Oberfläche.
Was muss ich beachten?
- Die Ambilight-Umsetzung benötigt recht viel Strom (10W pro Meter LEDs + Pi)
- Die Rückseite des TVs sollte nicht weiter als 20cm von einer möglichst hellen Wand entfernt stehen
- Das Material kostet alles in allem 100–200€
- Am besten wirkt es im (halb) dunklen Raum – bei hellem Tageslicht lohnt der Aufwand kaum
- Hyperion.ng benötigt etwas Zeit für das Setup und ist kein 2-Stunden-Projekt für Anfänger
Material
Raspberry Pi
- Raspberry Pi 4 oder 5 (~45–80€) – für flüssige Verarbeitung empfohlen
- Gehäuse mit GPIO-Zugang (~8€)
- microSD-Karte 16GB A2 (~8€)
Hyperion-Hardware
- Netzteil 5V/10A für LEDs + Pi (~20€) – bei 100+ LEDs unbedingt dimensionieren
- Kaltgerätekabel (~5€)
- USB-Video-Grabber (~15€) – für Signalquellen ohne HDMI-Passthrough
- HDMI-Splitter (1 Eingang, 2 Ausgänge) (~20€)
- HDMI zu AV/Composite Konverter (~15€) – für den Grabber-Eingang
- SK6812 oder WS2812B LED-Streifen, 60 LEDs/m (~25€) – deutlich einfacher als WS2801 (kein separater Takt nötig)
- LED-Eckverbinder oder Lötequipment
- Jumper-Kabel (female/female)
- 2x kurze HDMI-Kabel
Tipp LED-Auswahl: Früher wurden WS2801-LEDs verwendet (4-Draht, SPI). Heute sind SK6812 RGBW oder WS2812B RGB verbreiteter und günstiger – sie benötigen nur 3 Kabel (Daten, 5V, GND) und werden von Hyperion.ng optimal unterstützt.
Verkabelung
Netzverkabelung (Netzteil)
- Kaltgerätekabel am Netzteil anschließen: L=Braun, N=Blau, Erde=Grün/Gelb
- Netzteilspannung auf 5,00V einstellen (V-ADJ-Drehknopf), mit Multimeter prüfen
Achtung! Falsche Verkabelung am 230V-Netz ist lebensgefährlich. Wenn ihr unsicher seid, lasst das von einer Elektrofachkraft prüfen. Alternativ nutzt ein fertiges Schaltnetzteil mit Klemmen.
LED-Streifen anschließen (WS2812B/SK6812)
| LED-Kabel | Verbindung |
|---|---|
| 5V | Netzteil V+ |
| GND | Netzteil V- und Pi GND (PIN6) |
| Data | Pi GPIO18 (PIN12) über 330Ω-Widerstand |
Wichtig: GND des Netzteils und GND des Pi müssen verbunden sein (gemeinsame Masse). Den 330Ω-Widerstand in die Datenleitung setzen, um den GPIO zu schützen.
HDMI-Signalweg
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1 2 |
Signalquelle (TV/PS/PC) → HDMI-Splitter → Ausgang 1: TV → Ausgang 2: HDMI→AV-Konverter → USB-Grabber → Pi |
Hyperion.ng installieren
Hyperion.ng läuft auf Raspberry Pi OS (Bookworm). Offizielle Installationsanleitung:
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1 |
curl -sSL https://releases.hyperion-project.org/install | bash |
Der Installer richtet Hyperion.ng als Systemdienst ein. Web-Interface danach erreichbar unter:
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1 |
http://raspberrypi.local:8090 |
Dienst-Befehle:
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1 2 3 |
sudo systemctl status hyperion sudo systemctl restart hyperion sudo systemctl enable hyperion |
Hyperion.ng konfigurieren
Die gesamte Konfiguration erfolgt über das moderne Web-Interface – kein JSON mehr von Hand editieren.
LED-Hardware einrichten
Im Web-Interface: Konfiguration → LED-Hardware
- LED-Controller: „ws281x“ für WS2812B/SK6812 (direkt über GPIO)
- Typ: SK6812 RGBW oder WS2812B
- Hardware-LED-Anzahl: Anzahl eurer LEDs eintragen
- GPIO: 18 (Standard)
LED-Layout konfigurieren
Konfiguration → LED-Layout: Hier gebt ihr an wie die LEDs um den Bildschirm angeordnet sind (wie viele oben, unten, links, rechts). Der visuelle Editor macht das einfach.
Eingabequelle (Grabber) einrichten
Konfiguration → Erfassung:
- USB-Grabber: „V4L2 Gerät“ auswählen → euren Grabber wählen
- Bildschirm-Grabber: Für Kodi/LibreELEC direkt ohne Hardware-Grabber möglich
Farbanpassung
Konfiguration → Farbanpassung: Helligkeit, Sättigung und Gamma für jede Farbe anpassen. Hier ist etwas Experimentieren nötig – jeder LED-Streifen ist etwas anders.
Hyperion.ng mit LibreELEC / Kodi
Für LibreELEC gibt es ein eigenes Hyperion.ng-Add-on im LibreELEC-Repository. Damit entfällt der USB-Grabber – Hyperion greift direkt auf den Kodi-Videostream zu:
- LibreELEC → Add-ons → LibreELEC Add-ons → Services → Hyperion.ng installieren
- Konfiguration über das Webinterface wie oben beschrieben
- Als Eingabequelle „Kodi“ (intern) verwenden
Fazit und Tipps
- LEDs nicht zu hell: 50–80% Helligkeit reicht – spart Strom und schont die Augen
- Weicher Übergang: In Hyperion.ng den „Smoothing“-Wert auf 100–200ms setzen
- Schwarzbalken: „Schwarzbalken-Erkennung“ aktivieren, damit die LEDs bei Kinofilmen nicht weißen Balken folgen
- Gamma-Kalibrierung: Mit der Testfunktion Rot/Grün/Blau einzeln prüfen und ggf. Gamma anpassen
