Nachdem ihr in Teil 2 Raspberry Pi OS auf die SD-Karte geschrieben und den Pi zum ersten Mal gebootet habt, geht es jetzt an die Grundkonfiguration. Das wichtigste Werkzeug dafür ist raspi-config – ein textbasiertes Menü das alle wichtigen Einstellungen an einem Ort bündelt. Dieses Tutorial gilt für Raspberry Pi OS Bookworm (aktuell, Stand 2025) auf allen Pi-Modellen.
Voraussetzungen
- Raspberry Pi mit installiertem Raspberry Pi OS Bookworm
- SSH-Verbindung oder Tastatur + Monitor direkt am Pi
- Internetverbindung (für System-Updates)
Tipp für Headless-Betrieb: Wer den Pi ohne Monitor betreibt, kann SSH bereits beim Flashen im Raspberry Pi Imager aktivieren: Erweiterte Einstellungen (Zahnrad-Icon) → SSH aktivieren. Dann ist SSH vom ersten Boot an erreichbar.
raspi-config starten
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sudo raspi-config |
Das Textmenü öffnet sich. Navigation mit den Pfeiltasten, Enter zum Bestätigen, Tab um zu den Buttons (OK/Cancel/Back) zu wechseln, Esc zum Zurückgehen.
1. Passwort ändern (Pflicht!)
System Options → S3 Password
Das Standard-Passwort raspberry ist öffentlich bekannt – ändert es sofort. Wer den Raspberry Pi Imager genutzt hat, hat das Passwort dort bereits gesetzt – dann ist dieser Schritt erledigt.
Alternativ direkt per Terminal:
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passwd |
2. Hostname setzen
System Options → S4 Hostname
Gebt eurem Pi einen eindeutigen Namen im Netzwerk, z.B. heimserver oder raspberrypi5. Danach ist er im lokalen Netzwerk unter heimserver.local per SSH erreichbar:
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ssh pi@heimserver.local |
Hostname auch direkt per Befehl setzen (ohne Reboot notwendig):
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sudo hostnamectl set-hostname heimserver |
3. WLAN einrichten
System Options → S1 Wireless LAN
Land auswählen (DE – Germany), dann SSID und Passwort eingeben. Unter Raspberry Pi OS Bookworm verwaltet NetworkManager die Netzwerkverbindungen (nicht mehr dhcpcd wie früher). Alternativ direkt per nmcli:
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# Verfügbare Netzwerke anzeigen sudo nmcli dev wifi list # Mit WLAN verbinden sudo nmcli dev wifi connect "EUER-NETZWERK" password "EUER-PASSWORT" # Verbindungsstatus prüfen nmcli connection show |
Die Verbindung wird automatisch gespeichert und beim nächsten Start wiederhergestellt.
4. SSH aktivieren
Interface Options → I1 SSH → Enable
SSH (Secure Shell) ermöglicht die Fernsteuerung des Pi per Terminal vom PC aus – unverzichtbar für Headless-Betrieb. Nach der Aktivierung könnt ihr euch vom PC aus verbinden:
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ssh pi@raspberrypi.local # oder mit IP-Adresse: ssh pi@192.168.1.xxx |
Sicherheitstipp: SSH mit einem starken Passwort absichern. Wer den Pi im Internet betreibt, sollte zusätzlich Public-Key-Authentifizierung nutzen und Passwort-Login deaktivieren.
5. Sprache, Zeitzone und Tastaturlayout
Localisation Options
Diese drei Einstellungen lassen sich auch direkt per Befehl setzen:
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# Zeitzone auf Deutschland setzen sudo timedatectl set-timezone Europe/Berlin # Zeitzone und NTP-Status prüfen timedatectl # Locale auf Deutsch setzen sudo locale-gen de_DE.UTF-8 sudo update-locale LANG=de_DE.UTF-8 LC_ALL=de_DE.UTF-8 # Tastaturlayout (für lokale Tastatur) sudo raspi-config nonint do_configure_keyboard de |
6. VNC aktivieren (grafischer Fernzugriff)
Interface Options → I3 VNC → Enable
VNC ermöglicht euch, den vollständigen Desktop des Pi auf eurem PC zu sehen und zu bedienen. Ihr benötigt den RealVNC Viewer auf dem PC. IP-Adresse des Pi herausfinden:
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hostname -I |
Hinweis Bookworm: Raspberry Pi OS Bookworm nutzt Wayland als Standard-Display-Server. VNC benötigt für den Desktop-Zugriff X11. Falls VNC nur einen grauen Bildschirm zeigt:
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sudo raspi-config |
Advanced Options → A6 Wayland → W1 X11 → Reboot. Danach funktioniert VNC wie gewohnt.
7. SPI und I2C aktivieren
Interface Options → I4 SPI / I5 I2C
Wer Sensoren oder Erweiterungsmodule per SPI oder I2C anschließen möchte (Displays, Temperatursensoren, ADCs, RTC-Module), aktiviert die Schnittstellen hier. Nach Aktivierung und Reboot:
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# SPI prüfen ls /dev/spidev* # Erwartet: /dev/spidev0.0 und /dev/spidev0.1 # I2C prüfen und angeschlossene Geräte scannen sudo apt install -y i2c-tools sudo i2cdetect -y 1 |
8. System aktualisieren
Nach der Grundkonfiguration das System auf den neuesten Stand bringen:
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sudo apt update && sudo apt upgrade -y |
Beim ersten Mal kann das einige Minuten dauern. Danach Neustart:
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sudo reboot |
9. Nützliche Diagnose-Befehle
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# Raspberry Pi OS Version cat /etc/os-release # Kernel und Architektur uname -a # Pi-Modell anzeigen cat /proc/device-tree/model # CPU-Temperatur vcgencmd measure_temp # CPU-Takt aktuell vcgencmd measure_clock arm # RAM-Verbrauch free -h # Speicherplatz (SD-Karte / SSD) df -h # Laufende Prozesse htop # IP-Adressen aller Interfaces ip addr show |
10. Automatische Sicherheitsupdates (optional)
Für dauerhaft laufende Geräte empfiehlt sich die automatische Installation von Sicherheitsupdates:
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sudo apt install unattended-upgrades -y sudo dpkg-reconfigure unattended-upgrades |
Im Dialog Yes wählen. Sicherheits-Patches werden dann automatisch eingespielt.
Häufige Fehler und Lösungen
| Problem | Ursache | Lösung |
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| SSH: Connection refused | SSH nicht aktiviert | raspi-config → Interface Options → SSH aktivieren + Reboot |
| WLAN verbindet sich nicht | WLAN-Land fehlt oder falsches Passwort | raspi-config → Localisation → WLAN Country → DE setzen |
| Falsche Uhrzeit | Zeitzone nicht gesetzt | sudo timedatectl set-timezone Europe/Berlin |
| Umlaute werden falsch dargestellt | Locale nicht auf Deutsch | sudo locale-gen de_DE.UTF-8 && sudo update-locale LANG=de_DE.UTF-8 |
| VNC zeigt grauen Bildschirm | Wayland aktiv (Bookworm-Standard) | raspi-config → Advanced Options → Wayland → X11 + Reboot |
hostname -I zeigt keine IP |
WLAN/LAN nicht verbunden | WLAN-Einrichtung wiederholen, Ethernet-Kabel prüfen |
Weiter zu Teil 4
→ Teil 4: VNC einrichten – grafischer Fernzugriff auf den Pi-Desktop
Häufige Fragen
raspi-config ist das offizielle Konfigurationstool für den Raspberry Pi. Es ermöglicht über ein einfaches Textmenü alle wichtigen Einstellungen: SSH aktivieren, WLAN einrichten, Passwort ändern, Schnittstellen wie SPI und I2C aktivieren – ohne Kenntnisse über Linux-Konfigurationsdateien zu brauchen.
SSH in raspi-config aktivieren (Interface Options → SSH). Dann vom PC: ssh [email protected] oder ssh [email protected]. Die IP findet ihr mit hostname -I am Pi oder im Router-Interface.
Über raspi-config (System Options → Wireless LAN) oder per nmcli: sudo nmcli dev wifi connect ‚NETZWERKNAME‘ password ‚PASSWORT‘. Bookworm nutzt NetworkManager statt dhcpcd – nmcli ist die bevorzugte Methode.
Ja, unbedingt. Das Standard-Passwort ‚raspberry‘ ist öffentlich bekannt und ein Sicherheitsrisiko. Sofort nach Ersteinrichtung über raspi-config (System Options → Password) oder per passwd-Befehl ändern.
Mit sudo apt update && sudo apt upgrade -y. Der erste Befehl lädt die Paketlisten, der zweite installiert alle Updates. Nach größeren Updates empfiehlt sich ein Neustart mit sudo reboot.
In Bookworm: Netzwerke werden von NetworkManager verwaltet (nicht mehr dhcpcd), Wayland ist der Standard-Display-Server (statt X11), Konfigurationsdateien liegen in /boot/firmware/ statt /boot/. Die raspi-config-Menüpunkte funktionieren aber weitgehend identisch.
