Raspberry Pi Einsteiger Guide – Konfigurieren – Teil 3

Raspi Ifconfig1 – Raspberry Pi Einsteiger Guide – Konfigurieren – Teil 3

Nachdem ihr in Teil 2 Raspberry Pi OS auf die SD-Karte geschrieben und den Pi zum ersten Mal gebootet habt, geht es jetzt an die Grundkonfiguration. Das wichtigste Werkzeug dafür ist raspi-config – ein textbasiertes Menü das alle wichtigen Einstellungen an einem Ort bündelt. Dieses Tutorial gilt für Raspberry Pi OS Bookworm (aktuell, Stand 2025) auf allen Pi-Modellen.

Voraussetzungen

  • Raspberry Pi mit installiertem Raspberry Pi OS Bookworm
  • SSH-Verbindung oder Tastatur + Monitor direkt am Pi
  • Internetverbindung (für System-Updates)

Tipp für Headless-Betrieb: Wer den Pi ohne Monitor betreibt, kann SSH bereits beim Flashen im Raspberry Pi Imager aktivieren: Erweiterte Einstellungen (Zahnrad-Icon) → SSH aktivieren. Dann ist SSH vom ersten Boot an erreichbar.

raspi-config starten

Das Textmenü öffnet sich. Navigation mit den Pfeiltasten, Enter zum Bestätigen, Tab um zu den Buttons (OK/Cancel/Back) zu wechseln, Esc zum Zurückgehen.

1. Passwort ändern (Pflicht!)

System Options → S3 Password

Das Standard-Passwort raspberry ist öffentlich bekannt – ändert es sofort. Wer den Raspberry Pi Imager genutzt hat, hat das Passwort dort bereits gesetzt – dann ist dieser Schritt erledigt.

Alternativ direkt per Terminal:

2. Hostname setzen

System Options → S4 Hostname

Gebt eurem Pi einen eindeutigen Namen im Netzwerk, z.B. heimserver oder raspberrypi5. Danach ist er im lokalen Netzwerk unter heimserver.local per SSH erreichbar:

Hostname auch direkt per Befehl setzen (ohne Reboot notwendig):

3. WLAN einrichten

System Options → S1 Wireless LAN

Land auswählen (DE – Germany), dann SSID und Passwort eingeben. Unter Raspberry Pi OS Bookworm verwaltet NetworkManager die Netzwerkverbindungen (nicht mehr dhcpcd wie früher). Alternativ direkt per nmcli:

Die Verbindung wird automatisch gespeichert und beim nächsten Start wiederhergestellt.

4. SSH aktivieren

Interface Options → I1 SSH → Enable

SSH (Secure Shell) ermöglicht die Fernsteuerung des Pi per Terminal vom PC aus – unverzichtbar für Headless-Betrieb. Nach der Aktivierung könnt ihr euch vom PC aus verbinden:

Sicherheitstipp: SSH mit einem starken Passwort absichern. Wer den Pi im Internet betreibt, sollte zusätzlich Public-Key-Authentifizierung nutzen und Passwort-Login deaktivieren.

5. Sprache, Zeitzone und Tastaturlayout

Localisation Options

Diese drei Einstellungen lassen sich auch direkt per Befehl setzen:

6. VNC aktivieren (grafischer Fernzugriff)

Interface Options → I3 VNC → Enable

VNC ermöglicht euch, den vollständigen Desktop des Pi auf eurem PC zu sehen und zu bedienen. Ihr benötigt den RealVNC Viewer auf dem PC. IP-Adresse des Pi herausfinden:

Hinweis Bookworm: Raspberry Pi OS Bookworm nutzt Wayland als Standard-Display-Server. VNC benötigt für den Desktop-Zugriff X11. Falls VNC nur einen grauen Bildschirm zeigt:

Advanced Options → A6 Wayland → W1 X11 → Reboot. Danach funktioniert VNC wie gewohnt.

7. SPI und I2C aktivieren

Interface Options → I4 SPI / I5 I2C

Wer Sensoren oder Erweiterungsmodule per SPI oder I2C anschließen möchte (Displays, Temperatursensoren, ADCs, RTC-Module), aktiviert die Schnittstellen hier. Nach Aktivierung und Reboot:

8. System aktualisieren

Nach der Grundkonfiguration das System auf den neuesten Stand bringen:

Beim ersten Mal kann das einige Minuten dauern. Danach Neustart:

9. Nützliche Diagnose-Befehle

10. Automatische Sicherheitsupdates (optional)

Für dauerhaft laufende Geräte empfiehlt sich die automatische Installation von Sicherheitsupdates:

Im Dialog Yes wählen. Sicherheits-Patches werden dann automatisch eingespielt.

Häufige Fehler und Lösungen

Problem Ursache Lösung
SSH: Connection refused SSH nicht aktiviert raspi-config → Interface Options → SSH aktivieren + Reboot
WLAN verbindet sich nicht WLAN-Land fehlt oder falsches Passwort raspi-config → Localisation → WLAN Country → DE setzen
Falsche Uhrzeit Zeitzone nicht gesetzt sudo timedatectl set-timezone Europe/Berlin
Umlaute werden falsch dargestellt Locale nicht auf Deutsch sudo locale-gen de_DE.UTF-8 && sudo update-locale LANG=de_DE.UTF-8
VNC zeigt grauen Bildschirm Wayland aktiv (Bookworm-Standard) raspi-config → Advanced Options → Wayland → X11 + Reboot
hostname -I zeigt keine IP WLAN/LAN nicht verbunden WLAN-Einrichtung wiederholen, Ethernet-Kabel prüfen

Weiter zu Teil 4

→ Teil 4: VNC einrichten – grafischer Fernzugriff auf den Pi-Desktop

Häufige Fragen

Was ist raspi-config und wofür brauche ich es?

raspi-config ist das offizielle Konfigurationstool für den Raspberry Pi. Es ermöglicht über ein einfaches Textmenü alle wichtigen Einstellungen: SSH aktivieren, WLAN einrichten, Passwort ändern, Schnittstellen wie SPI und I2C aktivieren – ohne Kenntnisse über Linux-Konfigurationsdateien zu brauchen.

Wie verbinde ich mich per SSH mit dem Raspberry Pi?

SSH in raspi-config aktivieren (Interface Options → SSH). Dann vom PC: ssh [email protected] oder ssh [email protected]. Die IP findet ihr mit hostname -I am Pi oder im Router-Interface.

Wie richte ich WLAN unter Raspberry Pi OS Bookworm ein?

Über raspi-config (System Options → Wireless LAN) oder per nmcli: sudo nmcli dev wifi connect ‚NETZWERKNAME‘ password ‚PASSWORT‘. Bookworm nutzt NetworkManager statt dhcpcd – nmcli ist die bevorzugte Methode.

Muss ich das Standard-Passwort des Raspberry Pi ändern?

Ja, unbedingt. Das Standard-Passwort ‚raspberry‘ ist öffentlich bekannt und ein Sicherheitsrisiko. Sofort nach Ersteinrichtung über raspi-config (System Options → Password) oder per passwd-Befehl ändern.

Wie aktualisiere ich Raspberry Pi OS?

Mit sudo apt update && sudo apt upgrade -y. Der erste Befehl lädt die Paketlisten, der zweite installiert alle Updates. Nach größeren Updates empfiehlt sich ein Neustart mit sudo reboot.

Was hat sich bei der Konfiguration in Bookworm geändert?

In Bookworm: Netzwerke werden von NetworkManager verwaltet (nicht mehr dhcpcd), Wayland ist der Standard-Display-Server (statt X11), Konfigurationsdateien liegen in /boot/firmware/ statt /boot/. Die raspi-config-Menüpunkte funktionieren aber weitgehend identisch.

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