Docker auf dem Raspberry Pi installieren – Anleitung 2026

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Docker ist eines der nützlichsten Werkzeuge, das du auf dem Raspberry Pi einsetzen kannst. Statt Software mühsam zu installieren, zu konfigurieren und bei Updates wieder alles manuell anzupassen, packst du jede Anwendung in einen Container – isoliert, portabel und in Sekunden gestartet. Dieser Artikel zeigt dir, wie du Docker auf dem Raspberry Pi installierst und deinen ersten Container in Betrieb nimmst.

Raspberry Pi 5 als Docker-Host
Raspberry Pi 5 – ideal als Docker-Host für Heimserver-Projekte. Foto: Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Was ist Docker?

Docker ist eine Container-Technologie: Jede Anwendung läuft in einer eigenen, abgeschlossenen Umgebung mit allen benötigten Bibliotheken und Abhängigkeiten. Das hat mehrere Vorteile gegenüber klassischer Installation:

  • Isolation – Anwendungen beeinflussen sich nicht gegenseitig
  • Portabilität – ein Container läuft auf jedem Docker-fähigen System identisch
  • Einfaches Update – neues Image pullen, Container neu starten, fertig
  • Einfaches Entfernen – Container löschen hinterlässt keine Rückstände im System

Auf dem Raspberry Pi läuft Docker hervorragend und ermöglicht es, Dienste wie Pi-hole, Nextcloud, Home Assistant, Portainer oder eigene Projekte in Minuten zu starten – ohne stundenlange Einrichtung.

Voraussetzungen

Empfohlene Hardware

Modell Eignung RAM
Raspberry Pi 5 (4GB / 8GB) ⭐⭐⭐⭐⭐ Ideal 4–8 GB
Raspberry Pi 4 (4GB / 8GB) ⭐⭐⭐⭐ Sehr gut 4–8 GB
Raspberry Pi 4 (2GB) ⭐⭐⭐ Ausreichend (wenige Container) 2 GB
Raspberry Pi 3 / Zero 2 W ⭐⭐ Eingeschränkt (nur leichte Container) 1 GB

Betriebssystem

Wichtig: Docker auf dem Raspberry Pi benötigt ein 64-bit-Betriebssystem. Das 32-bit Raspberry Pi OS (armhf) wird von vielen aktuellen Docker-Images nicht mehr unterstützt.

✅ Empfehlung: Raspberry Pi OS (64-bit) – Bookworm. Download über den Raspberry Pi Imager, dort unter „Raspberry Pi OS (other)“ → „Raspberry Pi OS Lite (64-bit)“ für Headless-Betrieb wählen.

Vor der Docker-Installation sicherstellen, dass das System aktuell ist:

Docker installieren

Der einfachste und empfohlene Weg ist das offizielle Convenience-Script von Docker:

Das Script erkennt automatisch die ARM64-Architektur des Raspberry Pi und installiert die passende Docker-Version. Die Installation dauert je nach Internetverbindung 2–5 Minuten.

Docker ohne sudo verwenden

Standardmäßig darf nur root Docker-Befehle ausführen. Um Docker auch als normaler Benutzer (z.B. pi) zu nutzen:

Danach einmal ab- und wieder anmelden (oder newgrp docker ausführen). Testen:

Wenn alles funktioniert, erscheint eine Erfolgsmeldung. Docker ist betriebsbereit.

Docker-Version prüfen

Docker Compose installieren

Docker Compose ermöglicht es, mehrere Container als Stack in einer einzigen docker-compose.yml-Datei zu definieren und gemeinsam zu starten. Unverzichtbar für praktisch alle Heimserver-Projekte.

Seit Docker Desktop ist Compose als Plugin direkt integriert. Beim Raspberry Pi prüfen:

Falls Compose nicht vorhanden ist, nachinstallieren:

Grundlegende Docker-Befehle

Images und Container verstehen

In Docker gibt es zwei zentrale Begriffe:

  • Image – die Vorlage/Blaupause einer Anwendung (read-only)
  • Container – eine laufende Instanz eines Images

Die wichtigsten Befehle im Überblick

Volumes: Daten dauerhaft speichern

Container sind flüchtig – wird ein Container gelöscht, sind alle darin gespeicherten Daten weg. Mit Volumes werden Daten auf dem Host-System gespeichert und bleiben erhalten:

Erster Praxiseinsatz: Portainer

Portainer ist eine Web-Oberfläche für Docker – damit lassen sich Container, Images, Volumes und Netzwerke bequem über den Browser verwalten, ohne immer auf der Kommandozeile arbeiten zu müssen.

Raspberry Pi 5 als Heimserver mit Docker
Der Raspberry Pi 5 eignet sich hervorragend als Heimserver. Foto: Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Portainer installieren

Zuerst ein Volume für Portainer-Daten anlegen:

Dann Portainer starten:

Portainer ist jetzt über https://IP-DES-PI:9443 erreichbar. Beim ersten Aufruf Admin-Passwort vergeben und „Get Started“ wählen.

Docker Compose: Mehrere Container als Stack

In der Praxis besteht eine Anwendung oft aus mehreren Containern – z.B. eine Web-App plus Datenbank. Docker Compose fasst diese in einer Datei zusammen.

Beispiel: Pi-hole mit Docker Compose

Projektverzeichnis anlegen:

Datei docker-compose.yml anlegen:

Stack starten:

Stack stoppen:

Pi-hole ist nun unter http://IP-DES-PI/admin erreichbar.

Autostart: Container nach Neustart automatisch starten

Damit Container nach einem Neustart des Raspberry Pi automatisch wieder laufen, gibt es zwei Methoden:

restart-Policy (empfohlen)

Docker-Daemon Autostart sicherstellen

Tipps für den Dauerbetrieb

Log-Rotation einrichten

Ohne Log-Rotation können Container-Logs die SD-Karte oder SSD über Zeit vollschreiben. Global in /etc/docker/daemon.json konfigurieren:

Unused Images und Container aufräumen

SSD statt SD-Karte verwenden

Docker schreibt häufig auf den Speicher (Layer, Logs, Volumes). Für den Dauerbetrieb empfiehlt sich eine USB-SSD als System- und Datenlaufwerk, da sie deutlich mehr Schreibzyklen verträgt als eine SD-Karte.

⚠️ Tipp: Wer Docker im Dauerbetrieb nutzt, sollte den gesamten Raspberry Pi von einer USB-SSD oder via NVME Hat booten – nicht von einer SD-Karte. Die Schreiblebensdauer ist bei SSDs um ein Vielfaches höher.

Swap einrichten (Pi 4 mit 2GB)

Bei Container-Stacks auf einem Pi 4 mit 2GB RAM kann der Arbeitsspeicher eng werden. Ein Swap-File hilft:

Nützliche Docker-Container für den Raspberry Pi

Container Funktion RAM
Portainer Docker Web-UI ~100 MB
Pi-hole DNS-Werbeblocker ~100 MB
Home Assistant Smart Home Zentrale ~300 MB
Nextcloud Eigene Cloud (Dateien, Kalender) ~400 MB
Vaultwarden Passwort-Manager (Bitwarden-kompatibel) ~20 MB
Nginx Proxy Manager Reverse Proxy mit Let’s Encrypt ~100 MB
Grafana + InfluxDB Sensor-Daten visualisieren ~400 MB

Häufige Probleme und Lösungen

„permission denied“ beim Docker-Befehl

Der aktuelle Benutzer ist nicht in der Docker-Gruppe. Lösung:

Container startet, ist aber nicht erreichbar

Port-Mapping prüfen: docker ps zeigt unter „PORTS“, welche Ports weitergeleitet werden. Außerdem sicherstellen, dass keine Firewall (ufw) den Port blockiert:

„no space left on device“

Docker-Images und alte Layer belegen Speicher. Aufräumen:

Raspberry Pi 32-bit: Image nicht gefunden

Viele aktuelle Images unterstützen kein linux/arm/v7 mehr. Lösung: auf 64-bit Raspberry Pi OS wechseln.

Läuft Docker auf allen Raspberry Pi Modellen?

Docker läuft auf dem Raspberry Pi 3, 4 und 5, benötigt aber ein 64-bit-Betriebssystem (Raspberry Pi OS 64-bit oder Ubuntu 64-bit). Der Raspberry Pi Zero und Zero 2 W werden technisch unterstützt, haben aber nur 512 MB bzw. 1 GB RAM – das reicht nur für sehr einfache Container.

Was ist der Unterschied zwischen Docker und Docker Compose?

Docker ist die Container-Laufzeitumgebung – damit werden einzelne Container gestartet. Docker Compose ist ein Werkzeug, das mehrere Container als zusammengehörigen Stack in einer YAML-Datei definiert und gemeinsam verwaltet. Für praktisch alle Heimserver-Projekte empfiehlt sich Docker Compose.

Wie viele Docker-Container laufen gleichzeitig auf einem Raspberry Pi 4?

Das hängt vom RAM-Verbrauch der Container ab. Auf einem Pi 4 mit 4 GB RAM laufen problemlos 8–12 leichte Container (Pi-hole, Vaultwarden, Portainer etc.) gleichzeitig. Ressourcenintensive Container wie Nextcloud oder Home Assistant reduzieren die Anzahl entsprechend.

Kann ich Docker und Raspberry Pi OS Desktop gleichzeitig nutzen?

Ja, Docker läuft problemlos parallel zum Desktop. Für einen dedizierten Server-Betrieb empfiehlt sich aber Raspberry Pi OS Lite (ohne Desktop), da der Desktop selbst RAM benötigt und im Hintergrund unnötige Prozesse läuft.

Werden Docker-Container nach einem Neustart automatisch gestartet?

Nur wenn die restart-Policy gesetzt ist. Mit --restart=always (docker run) oder restart: unless-stopped (docker-compose.yml) starten Container automatisch nach jedem Systemneustart. Ohne diese Einstellung müssen Container manuell gestartet werden.

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