SD-Karten können jederzeit ausfallen – und oft passiert es im ungünstigsten Moment. In diesem Artikel zeige ich euch, wie ihr Daten von einer defekten Raspberry Pi SD-Karte unter Windows rettet und wie ihr versucht, das Dateisystem zu reparieren.
Was ist passiert? Typische Fehlermeldungen
Typische Zeichen einer beschädigten SD-Karte oder eines defekten Dateisystems:
no valid journal superblock foundEXT4-fs errorbeim Bootvorgang- Der Pi bootet nicht mehr, zeigt aber noch eine Konsole
- Pi startet aber das Dateisystem ist read-only
Wenn der Pi noch eine Konsole zeigt, ist die Karte oft nicht komplett tot – sondern nur das Dateisystem beschädigt. Wichtigste Faustregel: Erst Daten sichern, dann reparieren.
Methode 1: Daten unter Windows retten mit DiskInternals Linux Reader
Das kostenlose Tool DiskInternals Linux Reader kann ext4-Partitionen von SD-Karten unter Windows lesen und Dateien kopieren – ohne Linux-Installation.
- SD-Karte in den Windows-Rechner stecken (USB-Kartenleser)
- DiskInternals Linux Reader herunterladen und installieren
- Tool starten – eure SD-Karte erscheint mit den Linux-Partitionen
- Zur gewünschten Datei oder zum Ordner navigieren (z.B.
/home/pioder/etc) - Rechtsklick → Save → Speicherort auf dem PC wählen
Alternative für Windows 11 mit WSL: Wer Windows Subsystem for Linux aktiv hat, kann die SD-Karte direkt mounten:
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sudo mkdir /mnt/sdcard sudo mount /dev/sdb2 /mnt/sdcard cp -r /mnt/sdcard/home/pi/ ~/backup-pi/ |
Methode 2: Daten unter Linux / macOS retten
Unter Linux oder macOS direkt mounten:
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# Partitionen anzeigen sudo fdisk -l # ext4-Partition mounten (schreibgeschützt für Sicherheit) sudo mount -o ro /dev/sdb2 /mnt/sdcard # Wichtige Daten kopieren cp -r /mnt/sdcard/home/pi/ ~/backup/ cp -r /mnt/sdcard/etc/ ~/backup/ |
Falls die Partition wegen Dateisystemfehlern nicht mountet, erst mit -o ro,noload versuchen:
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sudo mount -o ro,noload /dev/sdb2 /mnt/sdcard |
Dateisystem reparieren mit fsck
Wenn ihr die wichtigen Dateien gesichert habt, könnt ihr versuchen das Dateisystem zu reparieren. Dazu braucht ihr entweder ein Linux-System oder einen zweiten Raspberry Pi mit einem USB-Kartenleser.
Wichtig: Die Partition darf beim Reparieren nicht eingehängt (gemountet) sein!
Partitionen identifizieren
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sudo fdisk -l |
Die Karte hat typischerweise zwei Partitionen:
/dev/sdb1– Boot-Partition (FAT32)/dev/sdb2– Root-Partition (ext4)
ext4-Dateisystem reparieren
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sudo fsck -y /dev/sdb2 |
Das -y beantwortet alle Reparaturfragen automatisch mit Ja. Je nach Ausmaß der Beschädigung kann das einige Minuten dauern.
FAT32 Boot-Partition reparieren
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sudo fsck.vfat -r /dev/sdb1 |
Bestätigt das Entfernen des „Dirty Bit“ mit 1 und erlaubt Änderungen mit y.
Nach der Reparatur testen
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sudo mount /dev/sdb2 /mnt/sdcard ls /mnt/sdcard |
Wenn der Mount klappt und die Verzeichnisse sichtbar sind, hat die Reparatur funktioniert.
Tiefere Datenrettung mit TestDisk
Wenn fsck alleine nicht hilft, kann TestDisk gelöschte Partitionen und Dateien wiederherstellen:
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sudo apt install testdisk -y sudo testdisk /dev/sdb |
TestDisk führt euch interaktiv durch die Analyse und Wiederherstellung. Das Tool findet auch gelöschte Partitionen und kann die Partitionstabelle reparieren.
Daten wieder auf neuen Pi einspielen
Nachdem ihr die Konfigurationsdateien gesichert habt:
- Neues Raspberry Pi OS auf neue SD-Karte schreiben (Raspberry Pi Imager)
- Pi neu einrichten, benötigte Software installieren
- Konfigurationsdateien zurückkopieren – z.B. per WinSCP oder scp:
1scp -r ~/backup/etc/meine-app/ pi@raspberrypi.local:/etc/ - Dateirechte wiederherstellen mit
chmodundchown
Vorbeugung: Backup ist Pflicht
Die beste Datenrettung ist die, die ihr nie braucht. Macht regelmäßige Backups – z.B. wöchentlich mit rpi-clone auf einen USB-Stick:
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sudo rpi-clone sda |
Eine vollständige Backup-Anleitung findet ihr im Artikel Raspberry Pi Datensicherung erstellen. Und: Verwendet immer Markenkarten der A2-Klasse von SanDisk oder Samsung – günstige No-Name-Karten sterben deutlich schneller.
