Der Raspberry Pi Zero W ist mit seiner kompakten Größe, integriertem WLAN und dem Kameraanschluss wie gemacht für eine einfache WLAN-Überwachungskamera. In diesem Artikel zeige ich euch, welche Software-Optionen es 2025 gibt – denn das früher oft empfohlene MotionEyeOS ist leider nicht mehr aktiv entwickelt.
Wichtiger Hinweis: MotionEyeOS ist nicht mehr aktiv entwickelt
MotionEyeOS, das speziell für Überwachungskameras entwickelte Betriebssystem, wird seit 2021 nicht mehr aktiv gepflegt. Das GitHub-Repository des ursprünglichen Entwicklers zeigt keine neuen Releases mehr, und das Projekt läuft auf dem Pi Zero W mit aktuellen Raspberry Pi Kameramodulen V3 nicht mehr zuverlässig.
Was ihr stattdessen verwenden könnt:
- motionEye (als App auf Raspberry Pi OS) – der Nachfolger mit gleicher Oberfläche, aktiv entwickelt
- Frigate (für Pi 4/5) – moderner NVR mit KI-gestützter Bewegungserkennung
- Kamera-Stream direkt – einfachste Methode via libcamera und rpicam-apps
Hardware
Die Hardware bleibt unabhängig von der Software-Wahl gleich:
- Raspberry Pi Zero 2W (~17€) – deutlich leistungsfähiger als der originale Zero W, empfohlen
- Offizielles Pi Zero Gehäuse mit Kamera-Deckel (~6€)
- Raspberry Pi Kameramodul V3 (~25€) – aktuelle Version, 12MP
- microSD-Karte 32GB A2 (~10€)
- 5V/2A Netzteil mit Micro-USB
Tipp: Der Pi Zero 2W (4-Kern ARM Cortex-A53) ist dem originalen Zero W (1-Kern) bei Bewegungserkennung und Video-Encoding deutlich überlegen. Für ~5€ Aufpreis absolut empfehlenswert.
Option 1: motionEye auf Raspberry Pi OS (empfohlen)
motionEye ist die webbasierte Benutzeroberfläche für die bewährte Motion-Software – als eigenständige App, die auf normalem Raspberry Pi OS läuft. Aktiv entwickelt, unterstützt aktuelle Kameramodule.
Raspberry Pi OS Lite installieren
Installiert Raspberry Pi OS Lite (32-Bit für Zero W/2W) mit dem Raspberry Pi Imager. Aktiviert dabei WLAN und SSH in den Einstellungen.
motionEye installieren
Verbindet euch per SSH und installiert die Abhängigkeiten:
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sudo apt update && sudo apt upgrade -y sudo apt install python3-pip python3-dev libssl-dev libcurl4-openssl-dev libjpeg-dev libz-dev -y |
motionEye installieren:
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sudo pip3 install motioneye |
Konfigurationsverzeichnis erstellen und Dienst einrichten:
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sudo mkdir -p /etc/motioneye /var/lib/motioneye sudo cp /usr/local/share/motioneye/extra/motioneye.conf.sample /etc/motioneye/motioneye.conf sudo cp /usr/local/share/motioneye/extra/motioneye.systemd-unit-local /etc/systemd/system/motioneye.service sudo systemctl daemon-reload sudo systemctl enable motioneye sudo systemctl start motioneye |
Das Web-Interface ist dann erreichbar unter:
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http://IP-des-Pi:8765 |
Login: Benutzer admin, Passwort leer (direkt nach Login ändern!).
Kamera aktivieren
Unter Raspberry Pi OS Bookworm wird die Kamera automatisch erkannt. Prüft, ob sie sichtbar ist:
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libcamera-hello --list-cameras |
In motionEye fügt ihr die Kamera über das Menü → Add Camera → Local V4L2 Camera hinzu.
Option 2: Einfacher Kamera-Livestream ohne Extra-Software
Für einen einfachen RTSP/HTTP-Livestream ohne Bewegungserkennung reicht der integrierte rpicam-vid Befehl:
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sudo apt install python3-picamera2 -y # HTTP-Livestream starten (Port 8000) rpicam-vid -t 0 --inline --listen -o tcp://0.0.0.0:8888 |
Im Browser oder VLC (Datei → Netzwerk öffnen) unter tcp/h264://IP-des-Pi:8888 erreichbar.
Option 3: Frigate NVR (für Pi 4 und Pi 5)
Wer einen Raspberry Pi 4 oder 5 betreibt und eine vollwertige NVR-Lösung mit KI-gestützter Objekterkennung (Personen, Autos, Tiere) möchte, sollte sich Frigate ansehen:
- Moderne Web-Oberfläche
- Home Assistant Integration
- Google Coral TPU Unterstützung für Echtzeit-KI
- Läuft als Docker-Container
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docker run -d \ --name frigate \ --restart=unless-stopped \ --mount type=tmpfs,target=/tmp/cache,tmpfs-size=1000000000 \ -v /path/to/your/config:/config \ -v /media/frigate:/media/frigate \ -p 5000:5000 \ ghcr.io/blakeblackshear/frigate:stable |
Hinweis: Frigate ist für den Pi Zero W/2W zu ressourcenintensiv. Für diese Modelle bleibt motionEye die beste Wahl.
Zusammenbau Pi Zero (W / 2W) als Kamera
Der Zusammenbau ist einfach – keine Werkzeuge nötig:
- SD-Karte mit dem OS (Raspberry Pi OS Lite + SSH + WLAN) vorbereiten und einlegen
- Flachbandkabel des Kameramoduls mit dem Kamera-Adapter tauschen (dem Gehäuse liegt ein Zero-kompatibles Kabel bei)
- Kamera im Gehäusedeckel befestigen
- Flachbandkabel am Pi Zero einstecken (Kontakte zur Platine, Klemme vorher öffnen)
- Pi in den Gehäuseboden einsetzen, Deckel schließen
Vergleich der Optionen
| Software | Pi Zero W/2W | Pi 4/5 | Aktiv entwickelt | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| motionEye | Ja | Ja | Ja | Weboberfläche, einfach |
| rpicam-vid Stream | Ja | Ja | Ja (Raspbian-Kern) | Minimal, kein Speichern |
| Frigate | Nein | Ja | Ja | KI-Erkennung, Docker |
| MotionEyeOS | Eingeschränkt | Nein | Nein (aufgegeben) | Veraltet |

