Home Assistant ist das meistgenutzte Open-Source-Smart-Home-System der Welt – und der Raspberry Pi ist die beliebteste Hardware dafür. Kein Wunder: Der Pi läuft stromsparend rund um die Uhr, lässt sich für unter 100 Euro vollständig ausrüsten und bietet genug Leistung für hunderte Automationen, Sensoren und Integrationen. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie ihr Home Assistant auf dem Raspberry Pi installiert, was ihr dafür braucht, und wie ihr die ersten wichtigen Integrationen einrichtet.
Was ist Home Assistant?
Home Assistant ist eine lokale Smart-Home-Zentrale, die auf eurem Raspberry Pi läuft – ohne Cloud, ohne Abonnement, ohne dass eure Daten irgendwo hin übertragen werden. Ihr verbindet damit Lampen, Steckdosen, Thermostate, Sensoren, Kameras und viele weitere Geräte unterschiedlichster Hersteller in einer einheitlichen Oberfläche. Über 3.000 Integrationen für Philips Hue, Homematic IP, Fritz!Box, Shelly, IKEA TRÅDFRI und viele mehr sind dabei.
Welche Hardware braucht ihr?
Für einen dauerhaften Betrieb empfehlen wir folgende Ausstattung:
- Raspberry Pi 5 (4 GB) oder Pi 4 (4 GB) – Der Pi 5 ist deutlich schneller und zukunftssicherer, der Pi 4 reicht für reine HA-Nutzung vollkommen: Raspberry Pi 5 ansehen | Raspberry Pi 4 ansehen
- SSD statt SD-Karte – Home Assistant schreibt ständig Sensordaten in eine Datenbank. SD-Karten halten das oft nur 6–18 Monate durch, eine SSD deutlich länger. Am Pi 5 via NVMe-HAT, am Pi 4 per USB 3.0: NVMe HAT für Pi 5 | USB-SSD für Pi 4
- Offizielles Netzteil – Home Assistant braucht stabile Stromversorgung, Billig-Netzteile führen zu Unterspannungswarnungen und Abstürzen: Pi 5 Netzteil (27W) | Pi 4 Netzteil
- Gehäuse (optional, aber sinnvoll): Pi 5 Gehäuse mit Lüfter
Die vier Installationsmethoden im Vergleich
Home Assistant gibt es in vier Varianten. Für die meisten Nutzer ist die Wahl einfach:
| Methode | Add-ons | One-Click-Updates | Für wen? |
|---|---|---|---|
| HAOS (Home Assistant OS) | ✅ Ja | ✅ Ja | Alle – empfohlen |
| Container (Docker) | ❌ Nein | ❌ Manuell | Fortgeschrittene mit bestehendem Docker-Setup |
| Supervised | ✅ Ja | ✅ Ja | Linux-Profis (nur auf reinem Debian) |
| Core | ❌ Nein | ❌ Manuell | Entwickler / maximal manuell |
Empfehlung: Nutzt HAOS. Ihr bekommt das vollständige Ökosystem – inklusive Add-ons wie Zigbee2MQTT, Mosquitto, NGINX, automatische Backups und One-Click-Updates direkt aus der Oberfläche.
Methode 1: HAOS installieren (empfohlen)
Schritt 1: Image herunterladen und flashen
Ladet den Raspberry Pi Imager herunter. Startet ihn und wählt:
- Raspberry Pi Device: euer Modell (z.B. Raspberry Pi 5)
- Operating System: Klickt auf „Choose OS“ → scrollt ganz nach unten → Use custom → wählt die heruntergeladene Datei
Alternativ sucht direkt im Imager unter „Other specific-purpose OS“ nach „Home Assistant“ – dort findet ihr HAOS direkt zum Flashen ohne manuellen Download.
Das aktuelle HAOS-Image für euren Pi (64-Bit) findet ihr auf der offiziellen GitHub-Seite:
- Pi 5:
haos_rpi5-64-XX.X.img.xz - Pi 4:
haos_rpi4-64-XX.X.img.xz
Wichtig: Im Raspberry Pi Imager keine Anpassungen (SSH, WLAN, Benutzer) vornehmen – das übernimmt HAOS komplett selbst über die Weboberfläche.
Schreibt das Image auf eure SSD oder SD-Karte und steckt sie in den Pi.
Schritt 2: Ersten Start abwarten
Verbindet den Pi per LAN-Kabel mit eurem Router (WLAN kann später in HA konfiguriert werden) und steckt das Netzteil an. Beim ersten Start lädt HAOS automatisch die aktuelle Home-Assistant-Core-Version herunter (~700 MB) – das dauert je nach Internetverbindung 5–15 Minuten.
Schritt 3: Home Assistant aufrufen
Öffnet auf einem Gerät im selben Netzwerk den Browser und gebt ein:
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1 |
http://homeassistant.local:8123 |
Falls das nicht funktioniert, schaut in eurem Router nach der IP-Adresse des Pi und nutzt:
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1 |
http://192.168.x.x:8123 |
Ihr seht den Willkommensbildschirm von Home Assistant. Folgt dem Einrichtungsassistenten: Account anlegen, Standort festlegen, fertig.
Methode 2: Home Assistant als Docker-Container
Wer auf dem Pi bereits Docker betreibt und HA neben anderen Diensten laufen lassen möchte, kann HA als Container starten. Achtung: Dabei fehlen Add-ons und der Supervisor – ihr müsst Dienste wie Zigbee2MQTT oder Mosquitto als separate Container selbst einrichten.
Erstellt eine docker-compose.yml:
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1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 |
services: homeassistant: container_name: homeassistant image: "ghcr.io/home-assistant/home-assistant:stable" volumes: - /opt/homeassistant/config:/config - /etc/localtime:/etc/localtime:ro - /run/dbus:/run/dbus:ro restart: unless-stopped privileged: true network_mode: host environment: TZ: Europe/Berlin |
Starten mit:
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1 |
docker compose up -d |
Danach ist HA ebenfalls unter http://homeassistant.local:8123 erreichbar. Wie ihr Docker auf dem Pi einrichtet, haben wir in unserem Docker-Artikel beschrieben.
Erste Schritte nach der Installation
Fritz!Box verbinden
Die Fritz!Box ist in deutschen Haushalten verbreitet und Home Assistant erkennt sie meistens automatisch. Geht zu Einstellungen → Integrationen, sucht nach „Fritz“ und fügt sie hinzu. Ihr bekommt damit Geräteerkennung (Anwesenheitserkennung), WLAN-Steuerung und Schaltsteckdosen in einer Integration.
Shelly-Geräte einbinden
Shelly-Schalter und -Steckdosen werden von Home Assistant vollständig lokal erkannt – ohne Cloud. Oft werden sie beim Öffnen der Integrations-Seite automatisch vorgeschlagen. Einfach bestätigen und fertig. Shelly Unterputzschalter ansehen
Zigbee-Geräte ohne Hub einbinden
Für Zigbee-Geräte (IKEA TRÅDFRI, Philips Hue, Aqara, Sonoff, etc.) ohne deren Herstellerhub braucht ihr einen USB-Zigbee-Adapter. Empfehlenswert sind der SONOFF ZBDongle-E (~15–20€) oder der offizielle Home Assistant Connect ZBT-1.
Steckt den Dongle in einen USB-Port des Pi. Unter Einstellungen → Integrationen fügt ihr dann entweder ZHA (direkt in HA integriert, einfachste Methode) oder das Add-on Zigbee2MQTT hinzu (mehr Geräte, mehr Optionen).
Homematic IP
Wer Homematic-IP-Geräte hat, kann diese über die offizielle Cloud-Integration anbinden (erfordert HmIP-Account) oder – für vollständige lokale Steuerung – eine CCU2/CCU3 als Middleware nutzen, die HA dann per XML-RPC anspricht.
HACS – der Community-App-Store
HACS (Home Assistant Community Store) ist ein inoffizieller Erweiterungs-Store für HA. Ihr findet dort tausende zusätzliche Integrationen, Dashboard-Karten und Themes, die noch nicht im offiziellen Store sind. Auf HAOS installiert ihr HACS über den Add-on-Store: Repository https://github.com/hacs/addons hinzufügen, Add-on „Get HACS“ ausführen, dann unter Integrationen „HACS“ hinzufügen.
Tipps für den Dauerbetrieb
- Regelmäßige Backups: Unter Einstellungen → System → Backups könnt ihr automatische tägliche Backups einrichten und auf eine externe Festplatte oder NAS sichern.
- SSD statt SD-Karte: Falls ihr noch auf einer SD-Karte lauft, stellt sobald wie möglich auf SSD um. Eine USB-SSD kostet ab ~25€ und verlängert die Lebensdauer eures Servers erheblich.
- Updates nicht ignorieren: HAOS meldet neue Versionen direkt im Dashboard – regelmäßige Updates bringen neue Integrationen und schließen Sicherheitslücken.
- Energie-Dashboard: Wer einen Stromzähler mit optischer Schnittstelle hat, kann den Verbrauch direkt in HA visualisieren – passend zu unserem Smart-Meter-Artikel.
