Pi-hole einrichten – netzwerkweiter Werbeblocker auf dem Raspberry Pi

Close-up of a TP-Link Ethernet switch with yellow, red, and white cables connected.

Mit Pi-hole verwandelt ihr euren Raspberry Pi in einen netzwerkweiten Werbeblocker und DNS-Filter. Alle Geräte im Heimnetz – Smartphones, Smart-TVs, Laptops – werden automatisch geschützt, ohne dass auf jedem Gerät ein Browser-Plugin installiert werden muss. In diesem Artikel zeige ich euch die komplette Einrichtung von Pi-hole auf dem Raspberry Pi unter Raspberry Pi OS Bookworm.

Was macht Pi-hole genau?

Pi-hole fungiert als DNS-Server in eurem Heimnetz. Wenn ein Gerät eine Domain aufzulösen versucht (z.B. doubleclick.net), landet die Anfrage zuerst beim Pi-hole. Domains, die auf Blocklisten stehen, werden mit einer Nullantwort beantwortet – die Werbung oder der Tracker lädt gar nicht erst. Alles andere wird an euren normalen DNS-Server (z.B. den der FritzBox oder 1.1.1.1) weitergeleitet.

Pi-hole Logo
Pi-hole sitzt als DNS-Server zwischen eurem Netz und dem Internet (Quelle: Pi-hole Graphics, EUPL-1.2)

Vorteile gegenüber Browser-Plugins:

  • Schützt alle Geräte im Netz – auch iOS, Android, Smart-TV, Spielekonsolen
  • Blockiert Werbung auch in Apps (nicht nur im Browser)
  • Zentrales Dashboard mit Statistiken für das gesamte Netz
  • Sehr geringer Stromverbrauch (~2–3W auf einem Pi Zero 2W)

Material

  • Beliebiger Raspberry Pi – Pi Zero 2W, Pi 3, Pi 4 oder Pi 5 (Raspberry Pi 4 (~45€) ist ideal für Heimnetze mit vielen Geräten)
  • microSD-Karte 8 GB+ (~8€)
  • Passendes Netzteil
  • Netzwerkkabel (empfohlen) oder WLAN
  • Raspberry Pi OS Lite Bookworm (64-Bit) – GUI wird nicht benötigt

Empfehlung: Für Pi-hole reicht der günstige Raspberry Pi Zero 2W (~17€) vollkommen aus.

Raspberry Pi OS einrichten

Richtet zunächst Raspberry Pi OS Lite mit dem Raspberry Pi Imager ein. Wichtig: Im Imager unter „OS Customisation“ direkt SSH aktivieren, Hostname und WLAN (falls nötig) konfigurieren.

Sobald der Pi läuft, verbindet euch per SSH:

System aktualisieren:

Statische IP-Adresse vergeben

Pi-hole muss eine feste IP-Adresse haben – sonst zeigt der DNS der FritzBox ins Leere, wenn sich die IP des Pi ändert. Am einfachsten erledigt ihr das direkt in der FritzBox:

  1. FritzBox aufrufen: http://fritz.box
  2. Heimnetz → Netzwerk → Geräte und Benutzer
  3. Raspberry Pi anklicken → „Diesem Netzwerkgerät immer die gleiche IPv4-Adresse zuweisen“ aktivieren
Pi-hole Installer erster Schritt
Der Pi-hole Installer führt euch Schritt für Schritt durch die Einrichtung (Quelle: Pi-hole Graphics, EUPL-1.2)

Alternativ direkt im Raspberry Pi OS über NetworkManager:

Pi-hole installieren

Das offizielle Installations-Script erledigt alles in einem Schritt:

Pi-hole Installer DNS-Auswahl
Upstream-DNS-Auswahl im Pi-hole Installer (Quelle: Pi-hole Graphics, EUPL-1.2)

Der Installer führt euch durch folgende Schritte:

  1. Netzwerk-Interface: eth0 (Kabel) oder wlan0 wählen
  2. Upstream-DNS: Welcher DNS-Server für nicht blockierte Domains genutzt wird – z.B. Cloudflare (1.1.1.1) oder Quad9 (9.9.9.9)
  3. Blocklisten: Standard-Blocklisten aktivieren (empfohlen)
  4. Admin-Interface: Web-Dashboard installieren (ja)
  5. Logging: Query-Log aktivieren (empfohlen für Statistiken)

Am Ende zeigt das Script das vergebene Admin-Passwort – dieses unbedingt notieren.

Pi-hole Web-Interface

Das Dashboard ist direkt im Browser erreichbar:

Pi-hole v6 Dashboard mit Statistiken: blockierte Anfragen, Domains, Clients
Das Pi-hole v6 Dashboard zeigt in Echtzeit alle DNS-Anfragen und Blockierungen im Netz (Quelle: Pi-hole Graphics, EUPL-1.2)

Das Dashboard zeigt:

  • Gesamtzahl der DNS-Anfragen (heute / letzte 24h)
  • Prozentsatz der blockierten Anfragen
  • Top-blockierte Domains und aktivste Clients
  • Live-Anfragen-Log

Admin-Passwort nachträglich ändern:

FritzBox als DNS auf Pi-hole umstellen

Damit alle Geräte im Heimnetz automatisch Pi-hole nutzen, tragt ihr die IP des Pi als DNS-Server in der FritzBox ein:

  1. http://fritz.box → Heimnetz → Netzwerk → DNS-Rebind-Schutz
  2. Heimnetz → Netzwerk → DNS-Server: IP des Raspberry Pi eintragen
Pi-hole Query Log - alle DNS-Anfragen im Überblick
Im Query Log seht ihr jede DNS-Anfrage aller Geräte im Netz (Quelle: Pi-hole Graphics, EUPL-1.2)

Wichtig: Tragt als alternativen DNS-Server die IP der FritzBox selbst (z.B. 192.168.178.1) ein. Fällt der Pi einmal aus, funktioniert das Internet trotzdem weiter.

Ab jetzt leiten alle Geräte ihre DNS-Anfragen automatisch über Pi-hole – ohne manuelle Konfiguration auf jedem Gerät.

Blocklisten verwalten und erweitern

Pi-hole liefert eine Standard-Blockliste mit. Ihr könnt weitere Listen im Web-Interface hinzufügen:

Adlists → Add:

Empfohlene zusätzliche Blocklisten:

Liste Inhalt Einträge
Steven Black Unified Werbung + Malware + Social ~150.000
OISD Big Umfassende Werbeblocker-Liste ~300.000
Hagezi Multi Pro Tracker + Telemetrie ~200.000

Nach dem Hinzufügen neuer Listen Gravity aktualisieren:

Domains freigeben (Whitelist) und manuell blockieren (Blacklist)

Manchmal blockiert Pi-hole versehentlich legitime Dienste. Domains freigeben:

Oder im Web-Interface unter Whitelist. Domain manuell blockieren:

Pi-hole aktualisieren

Das aktualisiert Pi-hole, alle Blocklisten und das FTL-Backend in einem Schritt. Empfehlenswert ist ein Cronjob für automatische Blocklisten-Updates:

Statistiken per Kommandozeile

Pi-hole mit Unbound als rekursivem DNS (optional)

Für maximale Privatsphäre könnt ihr Unbound als rekursiven DNS-Resolver einrichten. Damit fragt Pi-hole nicht mehr bei einem öffentlichen DNS-Anbieter (Cloudflare, Google) nach, sondern löst Domains direkt bei den autoritativen Root-Nameservern auf – völlig ohne Drittanbieter:

Konfiguration anlegen:

Im Pi-hole Web-Interface unter Settings → DNS als Custom Upstream DNS 127.0.0.1#5335 eintragen und alle anderen DNS-Server deaktivieren.

Häufige Probleme und Lösungen

Bestimmte Seiten funktionieren nicht mehr

Im Pi-hole Dashboard unter Query Log prüfen, ob die Domain geblockt wird. Falls ja: Domain in die Whitelist aufnehmen.

Pi-hole reagiert nicht (DNS-Fehler im gesamten Netz)

Falls der Pi nicht mehr erreichbar ist, tragt in der FritzBox vorübergehend 1.1.1.1 als DNS ein, bis der Pi wieder läuft.

Port 53 bereits belegt (auf Pi 5 / Bookworm)

Unter Bookworm kann systemd-resolved Port 53 blockieren:

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