Raspberry Pi 3 übertakten

raspberry pi performance

Wer mehr Leistung aus seinem Raspberry Pi herausholen möchte, kann die CPU übertakten. In diesem Artikel zeige ich euch, wie das Overclocking beim Raspberry Pi 3, 4 und 5 funktioniert, welche Werte stabil laufen und was ihr dabei beachten müsst.

WICHTIG: Durch das Übertakten verliert ihr jegliche Garantie und eure Hardware kann Schaden nehmen. Ohne ausreichende Kühlung kann der Pi bei erhöhter Last thermisch drosseln oder dauerhaft beschädigt werden.

Grundlagen: So funktioniert Overclocking beim Raspberry Pi

Das Übertakten erfolgt beim Raspberry Pi über die Konfigurationsdatei. Der Pfad hängt vom Betriebssystem ab:

  • Raspberry Pi OS Bookworm (ab 2023): /boot/firmware/config.txt
  • Ältere Versionen (Buster, Bullseye): /boot/config.txt

Die wichtigsten Parameter:

  • arm_freq – CPU-Takt in MHz
  • over_voltage / over_voltage_delta – Betriebsspannung erhöhen
  • gpu_freq – GPU-Takt (Pi 3/4)
  • force_turbo – dauerhaft übertakten statt dynamisch (deaktiviert Throttling)

Raspberry Pi 5 übertakten (bis 3,0 GHz)

Der Pi 5 läuft standardmäßig mit 2,4 GHz und verfügt über einen integrierten thermischen Schutz. Mit dem offiziellen aktiven Kühler (~5€) sind stabile 3,0 GHz möglich.

Öffnet die Konfigurationsdatei:

Fügt folgende Zeilen am Ende ein:

Profil arm_freq over_voltage_delta Kühlung
Standard 2400 0 Passiv ausreichend
Moderat 2600 20000 Aktiver Kühler empfohlen
Hoch 2800 50000 Aktiver Kühler Pflicht
Turbo* 3000 50000 Aktiver Kühler Pflicht

Beispiel für das Profil „Hoch“:

Gespeichert wird mit STRG+X, Y, Enter. Nach einem Neustart ist die Konfiguration aktiv:

*3,0 GHz kann bei einigen Pi 5-Exemplaren zu Instabilität führen – nicht alle Chips sind gleich. Testet dies gründlich.

Raspberry Pi 4 übertakten (bis 2,0 GHz)

Der Pi 4 läuft standardmäßig mit 1,5 GHz (Pi 4B Rev 1.4 und älter) bzw. 1,8 GHz (neuere Revisionen). Stabile 2,0 GHz sind mit Kühlung gut möglich.

Profil arm_freq over_voltage Temperatur
Standard 1800 0 ~55°C
Moderat 1900 2 ~65°C
Hoch 2000 6 ~70°C

Beispiel für 2,0 GHz:

Raspberry Pi 3 übertakten

Beim Pi 3 ist Overclocking via raspi-config entfernt worden und muss manuell in der config.txt vorgenommen werden. Der Pi 3 läuft standard mit 1,2 GHz.

Profil arm_freq core_freq over_voltage
Standard 1200 400 0
Moderat 1300 500 2
Hoch 1350 500 4
Turbo* 1400 500 4

*Mit Turbo kann euer System instabil werden – mein Pi bootete mit diesen Einstellungen teilweise nicht mehr korrekt.

Benchmark und Temperatur prüfen

sysbench CPU-Test

Um die Wirkung des Übertaktens zu messen, installiert sysbench:

Notiert die Laufzeit vor und nach dem Übertakten.

Temperatur überwachen

Die aktuelle CPU-Temperatur abfragen:

Ob der Pi thermisch drosselt (Throttling) prüfen – besonders wichtig beim Übertakten:

Ausgabe 0x0 bedeutet kein Throttling. Andere Werte bedeuten:

  • 0x50000 – aktuell ARM-Frequenz gedrosselt (zu heiß)
  • 0x40000 – aktuell unter-versorgt

Aktuelle Taktfrequenz anzeigen

Kühlung – ohne geht es nicht

Beim Pi 5 und Pi 4 ist eine aktive Kühlung beim Übertakten Pflicht. Folgende Optionen:

Die kritische Temperatur, ab der der Pi drosselt, liegt bei:

  • Pi 5: 85°C
  • Pi 4: 80°C
  • Pi 3: 85°C

Raspberry Pi bootet nicht mehr

Falls der Pi nach einer zu aggressiven Übertaktung nicht mehr bootet: SD-Karte in einen PC stecken und die config.txt in der Boot-Partition mit einem Texteditor bearbeiten und die Overclocking-Zeilen entfernen oder auf die vorherigen Werte zurücksetzen.

Fazit

Beim Pi 5 lohnt sich Overclocking auf 2,8–3,0 GHz mit aktivem Kühler wirklich – das ist ein spürbarer Sprung. Beim Pi 4 bringt der Schritt auf 2,0 GHz etwa 10–15% mehr Leistung. Für den Pi 3 ist das Verhältnis von Aufwand zu Gewinn eher ungünstig – wer mehr Leistung braucht, sollte lieber auf einen Pi 4 oder 5 upgraden.

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