Wer hauptsächlich per SSH mit dem Raspberry Pi arbeitet, kennt das Problem: Ein Tippfehler in der Netzwerk-Konfiguration, und man ist ausgesperrt – Monitor und Tastatur müssen her. Ein USB-Seriell-Konsolenkabel ist die elegantere Lösung. Damit verbindet ihr euren Pi direkt über USB mit eurem Rechner und bekommt eine serielle Konsole – ganz unabhängig vom Netzwerk. Perfekt zum Debuggen, Konfigurieren oder um Boot-Probleme zu diagnostizieren.
Wofür ist ein Konsolenkabel nützlich?
- Netzwerk-Konfiguration kaputt? Kein Problem – ihr kommt trotzdem ans System
- Boot-Probleme diagnostizieren: Ihr seht alle Kernel-Meldungen beim Start
- Raspberry Pi ohne HDMI-Ausgang (z.B. Compute Module) konfigurieren
- Seriell mit anderen Geräten kommunizieren (Mikrocontroller, Sensoren)
Hardware: Empfohlene USB-Seriell-Adapter
Das Original-Tutorial empfahl Kabel mit dem PL2303HX-Chip – dieser hat aber auf Windows 10/11 immer wieder Treiber-Probleme gemacht. Heute gibt es bessere Alternativen:
| Chip | Windows 10/11 | macOS / Linux | Preis (ca.) | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| FTDI FT232RL | Treiber via Windows Update | Nativ unterstuetzt | 8–15 EUR | Beste Qualitaet |
| CP2102 | Treiber von Silicon Labs | Nativ unterstuetzt | 3–8 EUR | Guenstig, zuverlaessig |
| CH340G | Meist automatisch via Update | Treiber noetig (macOS) | 2–5 EUR | Sehr guenstig |
| PL2303HX | Treiber-Probleme moeglich | Nativ unterstuetzt | 2–4 EUR | Nicht empfohlen |
Unsere Empfehlung: Ein FTDI FT232RL Adapter oder ein CP2102 Adapter. Wer es besonders guenstig mag, nimmt einen CH340G-Adapter – der funktioniert auf Windows 10/11 in den meisten Faellen ohne manuelle Treiberinstallation.
Verkabelung
Die Kabel-Farben koennen je nach Hersteller variieren, aber die Standard-Belegung ist bei den meisten TTL-Kabeln identisch:
| Kabelfarbe | Funktion | Raspberry Pi Pin | PIN-Nummer |
|---|---|---|---|
| ROT | 5V (optional, siehe Hinweis!) | 5V | PIN 2 |
| SCHWARZ | GND | GND | PIN 6 |
| WEISS | TXD (Adapter sendet) | RXD (GPIO15) | PIN 10 |
| GRUEN | RXD (Adapter empfaengt) | TXD (GPIO14) | PIN 8 |
Wichtiger Hinweis zum roten Kabel (5V): Wenn ihr das rote Kabel an PIN 2 anschließt, versorgt der USB-Port eures Rechners den Raspberry Pi mit Strom. In diesem Fall darf das normale USB-Netzteil des Pi NICHT gleichzeitig angeschlossen sein! Wenn ihr den Pi schon mit einem Netzteil betreibt, lasst das rote Kabel einfach frei – dann klappt die Konsole trotzdem.
UART auf dem Raspberry Pi aktivieren
Auf aktuellen Raspberry Pi OS Versionen (Bookworm) muss UART explizit aktiviert werden. Oeffnet die Konfigurationsdatei:
|
1 |
sudo nano /boot/firmware/config.txt |
Fuegt am Ende folgende Zeile hinzu:
|
1 |
enable_uart=1 |
Speichert mit STRG+X, Y und ENTER.
Auf dem Raspberry Pi 3, 4 und 5 teilt sich die Hardware-UART mit dem Bluetooth-Chip. Falls ihr Bluetooth nicht benoetigt und maximale UART-Stabilitaet wollt, koennt ihr Bluetooth deaktivieren:
|
1 |
dtoverlay=disable-bt |
Dann den Pi neu starten:
|
1 |
sudo reboot |
Die serielle Konsole ist in /boot/firmware/cmdline.txt konfiguriert und laeuft standardmaessig mit 115200 Baud:
|
1 |
console=serial0,115200 console=tty1 ... |
Windows: Treiber und Verbindung mit PuTTY
Auf Windows 10 und 11 werden CH340- und FTDI-Treiber in den meisten Faellen automatisch ueber Windows Update installiert, sobald ihr den Adapter ansteckt. Falls nicht:
- CH340: Treiber von WCH (Hersteller)
- CP2102: Treiber von Silicon Labs
- FTDI: Treiber von FTDI direkt
Nach der Treiberinstallation oeffnet den Geraetemanager (Windows-Taste + R, dann devmgmt.msc eingeben). Unter Anschluesse (COM und LPT) seht ihr euren Adapter mit der zugewiesenen COM-Port-Nummer, z.B. COM4.
Ladet euch PuTTY herunter und konfiguriert eine neue serielle Verbindung:
- Connection type: Serial
- Serial line: COM4 (oder euer COM-Port laut Geraetemanager)
- Speed: 115200
Klickt auf Open und drueckt dann einmal Enter – ihr solltet den Login-Prompt des Raspberry Pi sehen.
macOS: Verbindung ueber screen
Auf macOS erscheint der Adapter als /dev/cu.usbserial-XXXX oder aehnlich. Mit dem eingebauten screen-Befehl verbindet ihr euch direkt:
|
1 |
screen /dev/cu.usbserial-XXXX 115200 |
Den genauen Geraete-Namen findet ihr mit:
|
1 |
ls /dev/cu.* |
Alternativ funktioniert auch minicom (via Homebrew installierbar):
|
1 |
minicom -b 115200 -D /dev/cu.usbserial-XXXX |
screen beendet ihr mit STRG+A, dann K und Y.
Linux: Verbindung ueber screen
Auf Linux erscheint der Adapter typischerweise als /dev/ttyUSB0:
|
1 |
screen /dev/ttyUSB0 115200 |
Falls ihr keinen Zugriff habt, muessen noch Gruppe-Rechte vergeben werden:
|
1 |
sudo usermod -a -G dialout $USER |
Danach kurz aus- und einloggen, dann klappt die Verbindung ohne sudo.
Fazit
Ein USB-Seriell-Adapter ist eines der nuetzlichsten Werkzeuge fuer jeden Raspberry Pi Nutzer. Gerade wenn ihr viel experimentiert oder Pi-Projekte ohne Monitor betreibt, spart er euch in kritischen Momenten viel Zeit. Unsere Empfehlung: einmal einen guenstigen CP2102-Adapter anschaffen und in der Schublade bereithalten – ihr werdet ihn frueh oder spaet brauchen.
