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Nextcloud auf dem Raspberry Pi installieren – eigene Cloud einrichten

Wer seine Daten nicht in der Cloud eines großen Anbieters lagern möchte, braucht eine eigene Lösung – und Nextcloud auf dem Raspberry Pi ist dabei eine der besten Optionen. Ihr bekommt damit eure eigene, vollständig selbst kontrollierte Cloud für Dateien, Fotos, Kalender, Kontakte und sogar Video-Calls. Komplett kostenlos, kein Abo, keine Datenweitergabe.

Nextcloud ist 2016 als Fork des bekannteren ownCloud entstanden und hat dieses mittlerweile klar überholt – größere Community, mehr Features, alle Funktionen kostenlos. Wer noch einen alten ownCloud-Server betreibt, sollte auf Nextcloud wechseln.

Was braucht ihr?

  • Raspberry Pi 5 (4 GB) oder Pi 4 (4 GB) – der Pi 5 mit NVMe-SSD ist die deutlich schnellere Kombination: Raspberry Pi 5 ansehen | Raspberry Pi 4 ansehen
  • SSD – Pflicht, keine SD-Karte – Nextcloud schreibt ständig in die Datenbank. SD-Karten sterben unter dieser Last erfahrungsgemäß nach wenigen Monaten. Am Pi 5 per NVMe-HAT, am Pi 4 per USB 3.0: NVMe HAT für Pi 5 | USB-SSD für Pi 4
  • Externe Festplatte oder großes USB-Laufwerk für eure eigentlichen Daten (Fotos, Videos, Dokumente): Externe USB-Festplatte ansehen
  • Offizielles Netzteil für stabilen Betrieb: Pi 5 Netzteil (27W)
  • LAN-Kabel – WLAN geht auch, aber Kabel ist stabiler für einen dauerhaft laufenden Server

Installationsmethode wählen

Es gibt zwei sinnvolle Wege für den Raspberry Pi:

Methode Aufwand Voraussetzung Für wen?
Nextcloud AIO (Docker) Mittel Docker installiert Empfohlen – voller Funktionsumfang, einfache Updates
NextcloudPi Einfach Raspberry Pi OS Einsteiger ohne Docker-Kenntnisse

Methode 1: Nextcloud AIO via Docker (empfohlen)

Nextcloud AIO (All-in-One) ist seit 2022 die offizielle empfohlene Installationsmethode. Ein „Mastercontainer“ verwaltet alle anderen Container automatisch – Nextcloud selbst, PostgreSQL-Datenbank, Redis-Cache, und optional Collabora Office, Talk oder Backup. Updates laufen über das Webinterface mit einem Klick.

Schritt 1: Docker installieren

Falls Docker noch nicht installiert ist:

Danach neu einloggen (oder newgrp docker ausführen), damit die Gruppe aktiv wird. Eine vollständige Anleitung findet ihr in unserem Docker-Artikel.

Schritt 2: Nextcloud AIO starten

Schritt 3: AIO-Oberfläche aufrufen

Öffnet im Browser:

Der Browser meldet ein selbstsigniertes Zertifikat – das ist normal, einfach bestätigen. Ihr seht das AIO-Einrichtungspanel. Gebt hier eure Domain ein (z.B. nextcloud.meinedomain.de) oder nutzt eine DuckDNS-Domain für den Heimserver (siehe unten).

Wichtig: Die Adresse auf Port 8080 immer über die IP-Adresse aufrufen, niemals über eure Domain – sonst gibt es HSTS-Konflikte.

Schritt 4: Nextcloud-Container starten

Im AIO-Panel bestätigt ihr eure Domain, AIO holt automatisch ein Let’s Encrypt-Zertifikat und startet alle benötigten Container. Das dauert beim ersten Mal 5–10 Minuten. Danach ist Nextcloud unter https://eure-domain.de erreichbar und ihr legt den Admin-Account an.

Methode 2: NextcloudPi (einfacher Einstieg)

NextcloudPi ist ein Installer speziell für den Raspberry Pi – kein Docker nötig. Führt auf einem frischen Raspberry Pi OS folgendes aus:

Der Installer richtet Apache, PHP, MariaDB und Nextcloud automatisch ein. Nach Abschluss ist Nextcloud im lokalen Netzwerk unter https://IP-DES-PI erreichbar. Die Verwaltung läuft über das NCP-Webpanel auf Port 4443.

Hinweis: NextcloudPi nutzt PHP 8.3 und MariaDB 10.11 – kompatibel mit Nextcloud 33.

Von außen erreichbar machen

Damit ihr auch unterwegs auf eure Nextcloud zugreifen könnt, braucht ihr:

  1. Dynamische DNS-Adresse – da sich eure Heimnetzwerk-IP ändert, nehmt ihr einen kostenlosen DynDNS-Dienst wie DuckDNS. Registriert eine Subdomain (z.B. meincloud.duckdns.org) und richtet die automatische IP-Aktualisierung per Cron ein:

  1. Port-Forwarding am Router – leitet im Router-Menü folgende Ports an die IP-Adresse eures Pi weiter:
    • Port 443 (TCP) – Nextcloud
    • Port 80 (TCP) – Let’s Encrypt Zertifikat-Erneuerung
  2. SSL-Zertifikat – Nextcloud AIO holt es automatisch. Bei NextcloudPi könnt ihr es im NCP-Panel unter nc-letsencrypt einrichten.

Tipp für Fritz!Box-Nutzer: In der Fritz!Box unter Internet → Freigaben → Portfreigaben die Ports eintragen. Außerdem lässt sich DuckDNS direkt in der Fritz!Box als DynDNS-Anbieter konfigurieren – dann braucht ihr keinen Cron-Job.

Mobile Apps

Für Android und iOS gibt es offizielle Nextcloud-Apps, mit denen ihr Dateien synchronisiert, Fotos automatisch hochladet und auf alle Inhalte zugreift:

Die Apps unterstützen automatischen Foto- und Video-Upload, Offline-Zugriff auf gespeicherte Dateien und Multi-Account-Verwaltung.

Tipps für den Dauerbetrieb

  • Automatische Backups: Nextcloud AIO hat eine eingebaute Backup-Funktion (BorgBackup). Konfiguriert sie im AIO-Panel und legt einen Backup-Pfad auf eurer externen Festplatte fest.
  • Speicher auslagern: Der eigentliche Datenspeicher muss nicht auf der SSD liegen. Hängt eine große externe USB-Festplatte an und konfiguriert sie als Nextcloud-Datenspeicher – die SSD übernimmt dann nur Datenbank und Cache.
  • Updates: Im AIO-Panel erscheinen neue Nextcloud-Versionen automatisch – einfach auf „Update“ klicken. Nextcloud veröffentlicht alle ~4 Monate eine neue Hauptversion.
  • Nextcloud als Home Assistant Integration: Wer Home Assistant betreibt, kann Nextcloud direkt einbinden und z.B. Kamerabilder oder Sensordaten automatisch in der eigenen Cloud speichern.

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