Raspberry Pi Performance Tuning und Tweaks

Raspbian Logo

Raspberry Pi Performance Tuning – Tipps und Tweaks

In diesem Artikel habe ich die wichtigsten Performance-Tweaks für den Raspberry Pi zusammengestellt – von allgemeinen Optimierungen bis hin zu spezifischen Tipps für Pi 4 und Pi 5. Wichtig: Nicht jeder Tweak eignet sich für jedes Einsatzszenario – überlegt euch vor dem Anwenden, ob euer System davon profitiert und ob keine ungünstigen Nebeneffekte entstehen.

Vorwort: Erst sichern, dann optimieren

Viele dieser Einstellungen greifen tief ins System ein. Erstellt vorher ein Backup des SD-Karten-Images, z.B. mit dem Raspberry Pi Imager (Read-Funktion) oder dd.

System aktuell halten

Bevor ihr mit manuellen Optimierungen startet, sollte das System auf dem aktuellen Stand sein – oft sind schon Updates eine merkliche Verbesserung:

Hinweis: rpi-update zum manuellen Firmware-Update ist veraltet und nicht mehr empfohlen. Das Raspberry Pi OS aktualisiert Firmware und Kernel über den normalen apt upgrade Prozess.

Richtiges Netzteil verwenden

Ein häufig unterschätzter Faktor ist die Stromversorgung. Ein schwaches Netzteil führt zu Instabilität, CPU-Throttling und Datenverlust. Empfehlungen:

  • Pi 3: Mindestens 2,5A @ 5,1V
  • Pi 4: Mindestens 3A @ 5V (offizielles USB-C Netzteil)
  • Pi 5: Mindestens 5A @ 5V (offizielles 27W USB-C Netzteil) – Offizielles Pi 5 Netzteil

Ob euer Pi unter Spannungsmangel leidet, verrät:

Bit 0 und Bit 2 im Ergebnis (Werte 0x50005 etc.) zeigen aktuelle oder vergangene Unterspannung an.

Schnellen Speicher verwenden

Der Speicher ist oft der größte Flaschenhals. Empfehlungen nach Modell:

  • Pi 3/4/Zero: microSD A2-Karte verwenden (z.B. SanDisk Extreme Pro A2)
  • Pi 4: USB-Boot von einer schnellen USB 3.0 SSD möglich (~300 MB/s vs. ~45 MB/s SD)
  • Pi 5: NVMe-SSD via M.2 HAT+ – bis zu 900 MB/s, massiver Unterschied im Alltag

Mehr zum Thema NVMe am Pi 5: NVMe-SSD am Raspberry Pi 5 einrichten.

SD-Karte schonen: tmpfs einsetzen

SD-Karten haben begrenzte Schreibzyklen. Häufig beschriebene Verzeichnisse lassen sich in den RAM auslagern, was die Karte schont und das System oft schneller macht:

Folgende Zeilen am Ende hinzufügen:

Achtung: Logs in /var/log gehen nach einem Neustart verloren – für Produktivsysteme ggf. weglassen.

Swap optimieren: zram-tools

Der Standard-Swap auf der SD-Karte ist langsam. zram erstellt einen komprimierten RAM-Bereich als Swap – deutlich schneller als SD-Swap. Seit Bookworm gibt es dafür das einfach zu installierende Paket:

Konfiguration anpassen (optional):

Dienst aktivieren:

Prüfen ob zram aktiv ist:

Übertakten / Overclocking

Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen für mehr Leistung. Der Pfad der Konfigurationsdatei:

  • Bookworm: /boot/firmware/config.txt
  • Bullseye und älter: /boot/config.txt

Stabile Werte für die verschiedenen Modelle:

Modell Standard Moderat OC Hoch OC
Pi 3 1200 MHz 1300 MHz 1400 MHz
Pi 4 1800 MHz 1900 MHz 2000 MHz
Pi 5 2400 MHz 2800 MHz 3000 MHz

Details und Werte für alle Parameter findet ihr im Overclocking-Artikel.

GPU-Speicher (GPU Memory Split)

Der gemeinsam genutzte RAM zwischen CPU und GPU lässt sich über den Parameter gpu_mem in der config.txt aufteilen:

  • 16 MB – für reine Server ohne Grafikausgabe (empfohlen für Headless-Betrieb)
  • 64 MB – Standard, für Desktop-Betrieb ausreichend
  • 128 MB – für Video-Wiedergabe über HDMI

Hinweis: Beim Pi 4 und Pi 5 mit 4 GB oder 8 GB RAM ist dieser Parameter weniger relevant als bei älteren Modellen mit 1 GB.

Grafische Oberfläche deaktivieren (Server-Betrieb)

Wer den Pi nur als Server nutzt und sich per SSH verbindet, spart Ressourcen durch das Abschalten des Desktops:

Unter „1 System Options → S5 Boot / Auto Login“ wählt ihr „B2 Console Autologin“.

Optional kann der Desktop-Stack komplett entfernt werden:

Kühlung

Ohne ausreichende Kühlung drosselt der Pi bei Last automatisch die CPU. Passive Kühler reichen für normalen Betrieb, beim Übertakten ist ein aktiver Kühler Pflicht:

Temperatur im Blick behalten:

Systemlogs begrenzen

Das systemd-Journal kann über Zeit sehr groß werden. Begrenzt es dauerhaft:

Pi 5: NVMe als Systemlaufwerk

Die mit Abstand wirkungsvollste Performance-Maßnahme beim Pi 5 ist der Umstieg von SD-Karte auf eine NVMe-SSD. Eine M.2 NVMe-SSD über den M.2 HAT+ erreicht 400–900 MB/s und hat praktisch keine Schreibzyklen-Beschränkung im Vergleich zu SD-Karten.

Eine vollständige Anleitung findet ihr im Artikel NVMe-SSD am Raspberry Pi 5 – Einrichtung und Use Cases.

Pi 4: USB-Boot einrichten

Der Pi 4 unterstützt USB-Boot. Eine USB 3.0 SSD als Systemlaufwerk bringt deutlich bessere Performance als eine SD-Karte:

Prüft ob USB-Boot unterstützt wird (bei neueren Pi 4 standardmäßig aktiv):

BOOT_ORDER=0xf41 bedeutet: zuerst SD-Karte, dann USB. Ändert auf USB-bevorzugt:

Unter „6 Advanced Options → A6 Boot Order → B2 USB Boot“.

Anwendungs-Tweaks

Neben dem System-Tuning lohnt es sich auch, die laufenden Anwendungen zu optimieren. Schaut euch für eure spezifische Anwendung die jeweiligen Dokumentationen und Community-Tipps an – ob für Kodi, Home Assistant, Node-RED oder andere Dienste gibt es jeweils spezifische Performance-Empfehlungen.

Ähnliche Beiträge