Die SD-Karte ist beim Raspberry Pi das zentrale Speichermedium – sie enthält den Bootloader, das Betriebssystem und euren Projektspeicher. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Formate, Typen, Klassen und Einstufungen von SD-Karten, die für Einsteiger recht verwirrend sein können. Dazu kommt, dass beim Pi 5 mit dem M.2 HAT+ auch NVMe-SSDs als Alternative in Frage kommen. Ich bringe in diesem Artikel Klarheit.
Welche Karte kaufen?
Bei der Auswahl der SD-Karte für den Raspberry Pi sind drei Kriterien entscheidend:
- Format: microSD (Pi 2B, 3, 4, 5, Zero) oder vollständige SD-Karte (nur Pi 1 A/B)
- Geschwindigkeitsklasse: mindestens Class 10 / UHS-I, besser A2
- Hersteller: immer Markenkarten verwenden – Billigkarten sterben schnell
Warum A2 wichtig ist
Die A2-Performance-Klasse (Application Performance Class 2) ist der entscheidende Fortschritt gegenüber älteren Karten. A2-Karten garantieren:
- 4.000 IOPS beim zufälligen Lesen
- 2.000 IOPS beim zufälligen Schreiben
- 10 MB/s sequenzielles Schreiben
Warum das für den Raspberry Pi wichtig ist: Das Betriebssystem greift ständig auf viele kleine Dateien zu – genau das misst der IOPS-Wert. Eine A1-Karte schafft nur 1.500/500 IOPS. Der Unterschied im Alltag ist spürbar: Das System reagiert deutlich flüssiger.
Empfohlene Karten (2025)
- SanDisk Extreme Pro microSDXC 64GB A2 V30 U3 (~15€) – schnell und langlebig, für alle Raspberry Pi Modelle
- Samsung Pro Endurance microSDXC 64GB (~16€) – speziell für Dauerbetrieb, sehr viele Schreibzyklen
- SanDisk High Endurance microSDXC 64GB (~13€) – ähnlich langlebig, günstiger
Für Dauerbetrieb (24/7 Server, Überwachungskameras etc.) empfehle ich ausdrücklich die Endurance-Varianten von SanDisk oder Samsung. Diese haben deutlich mehr Schreib/Lese-Zyklen als normale Karten.
Mein Tipp: Haltet immer eine Ersatzkarte im Schrank. SD-Karten gehen im Dauerbetrieb irgendwann kaputt – das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann. Ein aktuelles Backup ist Pflicht.
SD-Kartentypen
microSD-Karten (Raspberry Pi 2B, 3A+/3B/3B+, 4B, 5, Zero, Zero 2W)
Alle neueren Raspberry Pi Modelle verwenden microSD-Karten. Die microSDHC-Karten (bis 32 GB) und microSDXC-Karten (64 GB bis 2 TB) funktionieren beide problemlos mit Raspberry Pi OS Bookworm.
Eine microSD misst 11 × 15 × 0,7 mm und wiegt 0,25 Gramm. Sie kommt meist mit einem Adapter auf normale SD-Kartengröße, den ihr für den Kartenleser am PC benötigt.
SD-Karten (nur Raspberry Pi 1 A und B)
Die allerersten Raspberry Pi Modelle (1 A und B) verwenden noch normale SD-Karten im SDHC-Format (32 × 23 × 2,1 mm, bis 32 GB). Diese Modelle sind heute praktisch nicht mehr im Einsatz – wer noch einen hat, kann aber dieselben Empfehlungen bezüglich Klasse und Markenhersteller anwenden.
Leistungsklassen von SD-Karten erklärt
Speed Class (Kreis)
Die einfachste Klassifizierung. Eine Zahl im Kreis (2, 4, 6, 10) gibt die minimale sequenzielle Schreibgeschwindigkeit in MB/s an.
UHS-Klasse (U im Logo)
UHS (Ultra High Speed Bus) wurde 2009 eingeführt. Die Zahl im „U“ gibt die UHS-Klasse an:
- U1 (UHS Speed Class 1): mindestens 10 MB/s Schreiben
- U3 (UHS Speed Class 3): mindestens 30 MB/s Schreiben – empfohlen
Die römische Ziffer neben dem SD-Logo (I oder II) gibt den UHS-Busstandard an. UHS-I ist für alle Raspberry Pi Modelle ausreichend.
Application Performance Class (A1/A2)
Die für den Raspberry Pi relevanteste Klasse. Das „A“ mit einer Zahl kennzeichnet die Eignung für Betriebssystem-Workloads (viele kleine zufällige Zugriffe):
| Klasse | Zufälliges Lesen (IOPS) | Zufälliges Schreiben (IOPS) | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Keine / Class 10 | ~150 | ~100 | Nicht empfohlen |
| A1 | 1.500 | 500 | Akzeptabel |
| A2 | 4.000 | 2.000 | Empfohlen |
Maximale Geschwindigkeit pro Raspberry Pi Modell
Die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit hängt vom Pi-Modell ab:
| Modell | Max. SD-Geschwindigkeit | Interface |
|---|---|---|
| Pi 1 / Zero | ~20 MB/s | SD |
| Pi 2 / 3 | ~22 MB/s | SD |
| Pi 4 | ~45 MB/s | SD (UHS-I) |
| Pi 5 | ~100 MB/s | SD (SDR104) |
Beim Pi 5 lohnt sich also eine hochwertige A2-Karte noch mehr als bei älteren Modellen – der schnellere SD-Controller kann die höhere Leistung auch nutzen.
Alternative: NVMe-SSD für den Raspberry Pi 5
Für den Raspberry Pi 5 gibt es mit dem M.2 HAT+ eine deutlich leistungsfähigere Speicheroption. Eine NVMe-SSD im M.2-Format (2230 oder 2242) wird über den PCIe-Slot angeschlossen und erreicht:
- PCIe Gen 2: ~400 MB/s Lesen / ~400 MB/s Schreiben (offiziell)
- PCIe Gen 3: ~800–900 MB/s Lesen (inoffiziell, mit passender SSD)
Das ist 8–10× schneller als die schnellste SD-Karte. Für Projekte mit intensiven Datenbankzugriffen, Video-Streaming oder als Docker-Host macht der Umstieg einen deutlichen Unterschied.
Mehr Details zum Einrichten von NVMe am Pi 5 findet ihr in unserem NVMe-Artikel für den Raspberry Pi 5.
Vorinstallierte Karten – lohnt sich das?
Vorinstallierte Karten, die manche Anbieter für teures Geld im Angebot haben, machen nur dann Sinn wenn ihr wenig experimentieren wollt und keinen eigenen SD-Kartenleser habt. Beschafft euch anstelle einer vorinstallierten Karte lieber eine leere Karte und einen eigenen USB-Kartenleser – das Raspberry Pi Imager Tool macht das Installieren des Betriebssystems in wenigen Minuten kinderleicht.
SD-Karte beschreiben mit dem Raspberry Pi Imager
Das offizielle Tool zum Beschreiben der SD-Karte ist der Raspberry Pi Imager (kostenlos für Windows, macOS, Linux). Er lädt das aktuelle Raspberry Pi OS direkt herunter und schreibt es auf die Karte.
FAQ-Fragen und Antworten
Für die meisten Projekte empfehlen sich die SanDisk Extreme Pro microSDXC (A2, V30, U3) oder die Samsung Pro Endurance microSDXC. Beide sind A2-zertifiziert, was beim Raspberry Pi für schnellere
App-Startzeiten sorgt. Für Dauerbetrieb ist die Samsung Pro Endurance wegen der höheren Schreibzyklen die bessere Wahl.
A1 und A2 sind Application Performance Classes, die die Zufallszugriffsgeschwindigkeit definieren. A1 garantiert mindestens 1.500 IOPS Lesen / 500 IOPS Schreiben, A2 mindestens 4.000 / 2.000 IOPS. Für den
Raspberry Pi lohnt sich A2, da das Betriebssystem viele kleine Dateien liest und die höheren IOPS spürbar schnellere Bootzeiten ergeben.
Für Raspberry Pi OS reichen 16 GB aus, empfohlen werden jedoch 32–64 GB. Mit 32 GB hat man ausreichend Platz für das Betriebssystem, Updates und typische Projekte. Für NAS, Media Center oder
Docker-Betrieb sollte man auf SSD umsteigen statt eine große SD-Karte zu verwenden.
Standard-SD-Karten halten im Dauerbetrieb oft nur 1–3 Jahre, da die Schreibzyklen begrenzt sind. Speziell für Dauerbetrieb ausgelegte Karten wie die Samsung Pro Endurance halten deutlich länger.
Alternativ empfiehlt sich der Wechsel auf eine USB-SSD als Systemlaufwerk, die wesentlich robuster ist.
Grundsätzlich ja, aber nicht jede SD-Karte ist gleich gut geeignet. Billige No-Name-Karten ohne UHS-Klasse sind langsam und fallen im Dauerbetrieb schnell aus. Wichtig sind: UHS-I (U1 oder U3), Class 10
und idealerweise A1 oder A2 Zertifizierung. Fake-Karten mit falsch angegebener Kapazität sind bei unbekannten Anbietern leider verbreitet.


